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Informationen für Angehörige

Wenn die Schulden über den Kopf wachsen, es ständig Streit in der Familie gibt und man einfach nur noch hinschmeißen will, dann ist es Zeit etwas zu ändern …

Wie funktioniert eine Spielersperre?

Mit der Spielersperre können Spieler und Spielerinnen für eine gewisse Zeit vom Glücksspiel ausgeschlossen werden. Allerdings ist nicht bei jedem Glücksspiel die Möglichkeit zur Sperre gegeben. Auf dieser Seite geben wir Ihnen einen Überblick zur aktuellen Situation.

Jugendschutz und Glücksspiel

Jegliche Form der Teilnahme an Glücksspielen ist für Kinder und Jugendliche verboten. Orte, an denen überwiegend Glücksspiele veranstaltet werden, müssen deshalb sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche keinen Einlass bekommen.

Videospiele und Glücksspiel

Gerade Eltern müssen wissen, was ihr Kind spielt. Oftmals treten Videospiele und Glücksspiele eine gefährliche Symbiose ein, über die Eltern Bescheid wissen sollten. In diesem Bereich sind die wichtigsten Informationen zusammengetragen.

Zum Umgang mit (Glücks-)Spielern

Die wichtigsten Bezugspersonen für Glücksspieler und Glücksspielerinnen sind ihre Angehörigen. Aber auch Freunde und Arbeitskollegen sorgen sich und möchten dem Glücksspieler helfen. Gerade die Familienangehörigen erleben ein Wechselbad der Gefühle, wenn sie bemerken, dass der Ehe- oder Lebenspartner, das Kind, der Vater oder die Mutter, der Bruder oder die Schwester, der Opa oder Oma, der Neffe oder die Nichte sich verändern…

Was sind Anzeichen einer Glücksspielsucht?

Besorgte Angehörige von Glücksspielern fragen sich oft: „Wo liegt der Übergang vom normalen Spielverhalten zur Glücksspielsucht und was sind sichere Erkennungsmerkmale?“ Antworten gibt es hier.

Was ist eigentlich Co-Abhängigkeit?

Nicht nur die betroffenen Glücksspieler haben ein Problem. Oft sind auch nahe Verwandte wie Partner oder Kinder mitbetroffen. Ein Blick auf das Phänomen der Co-Abhängigkeit.

Denn Sucht ist ein Spielverderber.

Wie funktioniert eine Spielersperre?

Mit der Spielersperre wurde eine Möglichkeit geschaffen, Spielern bzw. auch deren Angehörigen, sich selbst bzw. ihren/ ihre Partner/in für eine gewisse Zeit vom Spiel auszuschließen. Im Allgemeinen spricht man diesbezüglich von Selbstsperre (Spieler) und Fremdsperre (Angehörige oder Glücksspielanbieter). Nicht bei jedem Glücksspiel ist die Möglichkeit zur Sperre gegeben. Bei anderen Glücksspielen ist nur die Möglichkeit einer Selbstsperre oder gar keiner Sperre gegeben.

Im Folgenden geben wir deshalb eine Übersicht:

LOTTO Thüringen

Selbst- und Fremdsperre sind möglich. Die Sperre gilt bundesweit. Die Sperren beziehen sich jedoch nur auf den Bereich der Lotterien „KENO“ und „TOTO“ sowie der Sportwette „ODDSET“. Eine Sperre für andere von Lotto Thüringen angebotene Glücksspiele wie z.B. „Lotto 6 aus 49“ ist nicht möglich. Gesperrte Spieler können weiterhin die anderen Lottoprodukte spielen. Die Sperre wird im übergreifenden Sperrsystem eingetragen. An dieses sind auch die Spielbanken angeschlossen. D.h., die Sperre gilt auch dort. Eine Teilnahme am Internetspiel von Lotto Thüringen ist ebenfalls nicht mehr möglich. Die Sperranträge sind auf der Internetseite von Lotto Thüringen abrufbar bzw. in jeder Lottoannahmestelle erhältlich. Die Sperre hat keine zeitliche Befristung (mind. ein Jahr). Ein Entsperren ist nur unter Vorlage diverser Schriftstücke möglich (Siehe Antrag auf „Aufhebung der Spielersperre“).

Andere Lottoanbieter

Lottoanbieter, welche vertraglich als Vermittler des Deutschen LOTTO und TOTO Blocks auftreten (siehe White List Lotterieanbieter) müssen sich an dieselben Spielerschutzanforderungen wie LOTTO Thüringen halten. D.h. die Sperrmodalitäten sind identisch (siehe LOTTO Thüringen). Andere Lottoanbieter bewegen sich illegal im deutschen Glücksspielmarkt. Vor einer Teilnahme an diesen Glücksspielen warnen wir ausdrücklich. Bei diesen Anbietern gibt es keinen Rechtsanspruch auf einen etwaigen Gewinn. Zudem stellt die Teilnahme an deren Glücksspielen eine Straftat dar (§ 285 StGB). Spielerschutzmaßnahmen wie eine Spielersperre sind deshalb auch wenig verbindlich.

Spielbanken

Selbst- und Fremdsperren sind möglich. Die Sperre gilt bundesweit. Die Sperren beziehen sich auf das komplette Spielangebot der Spielbanken. Gesperrten Spielern wird der Zutritt verwehrt. Die Sperre wird im übergreifenden Sperrsystem eingetragen. In Spielbanken gesperrte Spieler sind auch für die Lotterien „KENO“ und „TOTO“ sowie der Sportwette „ODDSET“ von LOTTO gesperrt. Die Sperranträge sind auf der Internetseite der jeweiligen Spielbank abrufbar bzw. vor Ort erhältlich. Die Sperre hat keine zeitliche Befristung (min. ein Jahr). Ein Entsperren ist nur unter Vorlage diverser Schriftstücke möglich (Siehe Antrag auf „Spielersperre“).

Spielhallen

Selbstsperren sind möglich. Die Sperre ist auf die Spielhalle begrenzt. Die Sperre gilt für das komplette Spielangebot der Spielhalle. Gesperrten Spielern wird der Zutritt verwehrt. Da in Spielhallen unterschiedliche Sozialkonzepte Anwendung finden, welche unterschiedliche Rahmenbedingungen für die Spielersperre vorsehen, kann derzeit keine allgemeingültige Aussage hierzu getroffen werden. Die folgenden Angaben beziehen sich nur auf Spielhallen, welche das Thüringer Mustersozialkonzept verwendet. Diese wird jedoch von den meisten Spielhallen im Freistaat verwendet. Die Sperrzeit beträgt ein Jahr und kann um ein weiteres Jahr verlängert werden. Die Sperre verliert mit dem Auslaufen ihre Wirksamkeit. Ein vorzeitiges Entsperren ist nicht möglich. Der Sperrantrag kann hier heruntergeladen werden und sollte auch in der jeweiligen Spielhalle ausliegen. Die Vorlage eines eigenen Passbildes ist nicht nötig. Der Spielhalle muss aber die Möglichkeit gegeben werden durch die Vorlage eines amtlichen Ausweisdokuments (Ausweis, Pass etc.; kein Führerschein!) die Angaben auf dem Antrag abzugleichen.

Gaststätten

Selbstsperren sind möglich. Die Sperre ist auf die Gaststätte begrenzt. Die Sperre gilt nur für das Spiel an Geldspielgeräten. Alle weiteren Angebote der Gaststätte kann ein gesperrter Spieler weiter nutzen. Da in Gaststätten unterschiedliche Sozialkonzepte Anwendung finden, welche unterschiedliche Rahmenbedingungen für die Spielersperre vorsehen, kann derzeit keine allgemeingültige Aussage hierzu getroffen werden. Die folgenden Angaben beziehen sich nur auf Gaststätten, welche das Thüringer Mustersozialkonzept verwenden. Dieses wird jedoch von den meisten Gaststätten im Freistaat verwendet. Die Sperrzeit beträgt ein Jahr und kann um ein weiteres Jahr verlängert werden. Die Sperre verliert mit dem Auslaufen ihre Wirksamkeit. Ein vorzeitiges Entsperren ist nicht möglich. Der Sperrantrag kann hier heruntergeladen werden und sollte auch in der jeweiligen Gaststätte ausliegen. Die Vorlage eines eigenen Passbildes ist nicht nötig. Der Spielhalle muss aber die Möglichkeit gegeben werden durch die Vorlage eines amtlichen Ausweisdokuments (Ausweis, Pass etc.; kein Führerschein!) die Angaben auf dem Antrag abzugleichen.

Sportwetten (nicht ODDSET)

Die folgenden Angaben beziehen sich ausschließlich auf privatwirtschaftliche Sportwetten- Vermittler. Informationen zur Sportwette „ODDSET“ des deutschen LOTTO- und TOTO Blocks finden Sie unter dem Punkt LOTTO Thüringen. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine zugelassenen Sportwettanbieter in Deutschland, die Situation bezüglich der Sperren ist daher unübersichtlich. Grundsätzlich sind Selbstsperren allerdings möglich! Die Sperre gilt dann nur für die jeweilige Wettannahmestelle oder das Online-Portal auf dem die Sperre erfolgte. In den Wettvermittlungsstellen sind Sperranträge zu erhalten. Für die Onlineangebote gibt es jedoch keine Sperranträge. Hier muss im Userbereich oder über eine Hotline die Sperre aktiviert werden. Der Zeitraum der Sperre schwankt je nach Anbieter zwischen 24 Stunden und einem Jahr. Sollte es einmal staatlich lizenzierte Sportwettanbieter geben, dann sind folgende Sperrmöglichkeiten angedacht: Selbst- und Fremdsperren wären möglich. Die Sperre gälte bundesweit. Gesperrten Spielern würde der Zutritt verwehrt bzw. im Onlinebereich die Teilnahme verweigert. Die Sperre fände Eintrag im übergreifenden Sperrsystem. Gesperrte Spieler sind dann ebenso bei allen Sportwettvermittlern in Deutschland (incl. ODDSET), bei den Lotterien KENO und TOTO sowie dem Onlineangebot von LOTTO Thüringen und in Spielbanken gesperrt. Die Sperranträge wären auf der Internetseite des jeweiligen Anbieters abrufbar bzw. vor Ort erhältlich. Die Sperre hätte keine zeitliche Befristung (min. ein Jahr). Ein Entsperren wäre nur unter Vorlage diverser Schriftstücke möglich (Siehe Antrag auf „Spielersperre“).

Pferdewetten

Selbstsperren sind möglich, jedoch nur bei Pferdewetten im Internet. Bei einer Selbstsperre wird das zugehörige Spielerkonto gesperrt. Die Sperrzeiten sind nicht einheitlich geregelt und schwanken je nach Anbieter zwischen sechs Monaten und unbefristeter Sperre. Die Sperre muss im Userbereich des jeweiligen Accounts aktiviert werden. Einen Sperrantrag gibt es nicht.

Onlinecasino/Onlinepoker

Alle Anbieter in diesem Bereich bewegen sich illegal im deutschen Glücksspielmarkt. Zwar gibt es Anbieter, welche mit einer „Deutschen Lizenz“ und einem deshalb „legalen Angebot“ werben. Diese Aussage bezieht sich jedoch nur auf das Bundesland Schleswig-Holstein. Das Angebot ist für Teilnehmer, welche sich in anderen Bundesländern aufhalten, weiterhin illegal.  Vor einer Teilnahme an diesen Glücksspielen warnen wir ausdrücklich. Bei diesen Anbietern gibt es keinen Rechtsanspruch auf einen etwaigen Gewinn. Zudem stellt die Teilnahme an deren Glücksspielen eine Straftat dar (§ 285 StGB). Spielerschutzmaßnahmen wie eine Spielersperre sind deshalb auch wenig verbindlich.

Daytrading

Das Daytrading wird vom Gesetzgeber im Gegensatz zur Suchthilfe als Finanztransaktionsgeschäft und nicht als Glücksspiel klassifiziert. Dies hat zur Folge, dass entsprechende Spielerschutzmaßnahmen wie eine Spielersperre nicht existieren.

Allgemeine Hinweise für Spieler, welche sich sperren lassen wollen:

  • Beachten Sie nebenstehende Hinweise zu ihrer Glücksspielform.
  • Nehmen Sie zur Abgabe ihrer Sperranträge immer einen Zeugen/ eine Zeugin mit.
  • Verneinen Sie Forderungen nach Fotos, Passfotos oder biometrischen Fotos. Möchte der Anbieter selbst Fotos zur leichteren Identifikation anfertigen, können Sie dies gewähren.
  • Verneinen Sie Forderungen nach Bearbeitungsgebühren.
  • Sollte der Antrag nicht sofort bearbeitet werden, setzen Sie eine Frist, bis zu der die Bestätigung der Sperre ihnen postalisch zugestellt werden soll.
  • Lassen Sie sich in jedem Fall die Sperre schriftlich bestätigen und heben Sie diese Bestätigung gut auf.
  • Bringen Sie ein amtliches Ausweisdokument zur Identifizierung mit. Ein Führerschein zählt hier nicht!
  • Verwenden Sie für ihren Sperrantrag die Vordrucke des Glücksspielanbieters.
  • Lesen Sie die Antragsvordrucke genau durch. Streichen Sie vor Unterzeichnung Passagen, welche den Anbieter von Schadensersatzansprüchen freistellen.
  • Lassen Sie sich nicht in Gesprächen oder durch finanzielle oder materielle Zuwendungen von ihrem Sperrwunsch abbringen.
  • Sperren Sie sich, wenn sie Probleme mit dem Automatenspiel haben, in allen Spielhallen und ggf. auch in Gaststätten im Umkreis (gesamter Ort, bei motorisierten Spielern auch in umliegenden Orten).
  • Sollte Ihnen die Sperre verweigert werden, machen Sie eine Anzeige beim zuständigen Ordnungs- oder Gewerbeamt bzw. bei der Polizei.
  • Nehmen Sie externe Hilfe durch Suchtberatungsstellen oder/und Selbsthilfegruppen in Anspruch (kostenfrei und auf Wunsch anonym). 

Sperrantrag Gastro

(freiwillige Selbstsperre)

Sperrantrag Spielhallen

(freiwillige Selbstsperre)

Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht

Jugendschutz und Glücksspiel

Jegliche Form einer Teilnahme an Glücksspielen sind für Kinder und Jugendliche verboten (§ 4 Abs. 2 GlüStV). Orte, an denen überwiegend Glücksspiele veranstaltet werden, müssen deshalb sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche keinen Einlass bekommen (z.B. Spielhallen, Spielbanken, Sportwettenbüros usw.). Ein Glücksspiel ist hierbei von drei Kriterien bestimmt: Geldeinsatz, Zufall der Gewinnermittlung und Geldgewinn. Fällt eines dieser Kriterien weg, handelt es sich nicht mehr um ein Glücksspiel, wie es der Gesetzgeber versteht. So kann z.B. unter Besuchern eines Ladengeschäfts ein Geldwert verlost werden. Da hierbei der Geldeinsatz wegfällt, wird aus dem Glücksspiel ein Gewinnspiel, für das andere Regeln gelten.

Auch aufgrund solcher Probleme hat sich der Gesetzgeber innerhalb des Jugendschutzgesetzes dazu entschieden, nur von „Spielen mit Gewinnmöglichkeit“ zu sprechen (§ 6 Abs. 2 JuSchG). D. h., für jegliche Spiele mit oder ohne Geldeinsatz, bei denen der Ausgang vom Zufall oder vom Geschick abhängig ist und bei dem etwas gewonnen werden kann, ist den Jugendschutzanforderungen des § 6 Abs. 2 Jugendschutzgesetz unterworfen, wenn die Teilnahme von Kindern und Jugendlichen ermöglicht wird. Solchen Spielen ist es nur dann erlaubt, sich an Kinder und Jugendliche zu richten, wenn sie auf Jahrmärkten, Volksfesten, Schützenfesten, Spezialmärkten oder ähnlichen zeitlich befristeten Veranstaltungen stattfinden und der mögliche Gewinn ausschließlich in Waren besteht. Diese Waren dürfen einen maximalen Gegenwert von 60 € nicht übersteigen. Da das Jugendschutzgesetz ein Bundesgesetz ist, gilt es in dieser Form in ganz Deutschland.

Beispiel

Ein sogenannter Stofftier-Greif-Automat steht auf einem Jahrmarkt und Kinder spielen daran. Dies ist vom Gesetzgeber erlaubt. Steht zwei Wochen später derselbe Automat in einem Supermarkt und Kinder spielen daran, verstößt der Marktleiter nicht nur gegen das Jugendschutzgesetz, wenn er die Kinder gewähren lässt, sondern auch gegen die Spielverordnung, welche verbietet, solche Automaten außerhalb von Jahrmärkten oder Spielhallen aufzustellen.

Denn Sucht ist ein Spielverderber.

Videospiele und Glücksspiel

Glücksspiele müssen genehmigt werden. Sollten also Videospiele Glücksspiele enthalten, bedürften sie einer Genehmigung. Dies ist auch der Grund, warum es keine Videospiele mit reinem Glücksspiel, also dem Spiel mit und um Geld gibt.

Simulierte Glücksspiele

Was es jedoch gibt, sind Videospiele, in denen Glücksspiele simuliert werden. Zumeist erkennt man diese Spiele schon am Namen, welcher den Namen des jeweiligen Glücksspiels enthält. Beispiele hierfür sind:  Sweet Memories – Black Jack (3DS), Pure Hold´em World Poker Championship (PS4) oder Merkur Roulette (IOS, Android).

Openworld-Spiele mit simulierten Glücksspielen

Anderen Videospielen ist der simulierte Glücksspielanteil von außen bzw. am Titel nicht von vornherein anzusehen. Dies sind zumeist Spiele des Openworld-Genres, also Spiele, in denen man in einer großen Welt verschiedensten Tätigkeiten nachgehen kann, ohne dass die Macher den zu beschreitenden Weg explizit vorgeben. In diesen kann man dann z.B. mit einer Ingame-(Fantasie-)Währung im Spiel ein Casino aufsuchen und an einem Pokerspiel teilnehmen. Sollte man dieses gewinnen, wird der Gewinn dem Ingame-Währungskonto gutgeschrieben. Während man bei einigen Spielen diese Ingame-Währung auch mit echtem Geld erwerben kann, geht ein Umtausch von Ingame-Währung in echtes Geld zumeist nicht. Aus jugendschutzrechtlicher Sicht sind diese Spiele kaum relevant, da nach unserem Wissen alle diese Spiele mit einer 18er Wertung (keine Jugendfreigabe) von der USK versehen wurden. Beispiele hierfür sind: Teile der „Fallout“-Serie (PC, Playstation, XBOX), die „Grand-Theft-Auto“-Spiele (PC, Playstation, XBOX) oder die „Yakuza“-Reihe (Playstation, WiiU).

Andere Spielegenres mit simulierten Glücksspielen

Auch in anderen Videospiel-Genres finden sich Anteile von simulierten Glücksspielen. Diese sind aber oft nur an reale Glücksspiele angelehnt und versuchen diese nicht zu simulieren, wie die oben Genannten. Ein Beispiel hierfür wäre z.B. das „Spiel Counter-Strike: Global Offensive (PC)“, einem EGO-Shooter. Bei diesem kann man mit durch Echtgeld erworbene Schlüssel Truhen öffnen, welche das Spiel dem Spieler regelmäßig ins eigene Inventar legt. In diesen Truhen befinden sich dann sogenannte Skins (Grafiken), mit welchem der Spieler seine Waffen verzieren kann. Bei der Vergabe des eigentlichen Skins läuft dann eine einer Slotmaschine (Spielautomat) ähnliche Animation ab.

Problem Mikrotransaktionen

In den vergangenen Jahren hat sich im Videospielbereich ein Geschäftsmodell entwickelt, welches auf größtmögliche Gewinnerzielung abzielt. Dieses Modell nennt sich „Free-to-Play“. Die hierunter fallenden Videospiele sind anfänglich komplett kostenfrei. Im Laufe des Spiels werden dem Spieler jedoch diverse Hürden (z.B. Wartezeiten) in den Weg gelegt, deren Umgehung nur durch die Zahlung von Mikrotransaktionen (kleine Geldbeträge von wenigen Cent/ Euro) möglich ist. Für solche Modelle sind Kinder und Jugendliche besonders anfällig. Hinzu kommt, dass Forscher vermuten, dass simuliertes Glücksspiel in Verbindung mit Mikrotransaktionen beim Spieler zu einem erhöhtem Wechselpotential zu echten Glücksspielen zu greifen, besteht. Jedoch muss auch gesagt werden, dass nicht alle „Free-to-Play“ Videospiele das Geschäftsmodell derart ausreizen. Das bekannteste und am meisten gespielte „Free-to-Play“-Videospiel „League of Legends“ (PC) setzt z.B. Mikrotransaktionen nur für den Erwerb von kosmetischen Items ein, welche keinen Einfluss auf das eigentliche Spiel haben und deshalb auch vollkommen optional sind.

Problem Jugendschutz

Eltern, die ihre Kinder vor jeglichen Einflüssen von simulierten oder echten Glücksspielen schützen wollen, haben einen schweren Stand. Der Grund ist, dass sich solche Videospiele auf allen Videospiel-Plattformen finden, inklusive derer, welchen man nur kindgerechten, wie denen von Nintendo, zuschreibt. Auch die mobilen Plattformen, wie Handys oder Tablets und soziale Medien, sind hiervon nicht ausgenommen. Auf diesen droht zusätzlich noch die Gefahr des Kontakts mit den Angeboten von klassischen Glücksspielanbietern. Auch der Jugendmedienschutz in Deutschland in Form der USK kann kein Wegweiser sein, da die USK simulierten Glücksspielen z.T. das Alterskennzeichen „0“ gibt, welches für „keine Altersbeschränkung“ steht.

PEGI fragen

Hilfesuchende Eltern können sich aber zumindest am, im Rest Europas verwendeten, Jugendschutzsystem PEGI orientieren. Dieses führt neben dem eigentlichen Alterskennzeichen auch Hinweise in Form von Piktogrammen auf, welche auf entwicklungsrelevante Eigenschaften des Videospiels hinweist. Das Piktogramm für Glücksspielanteile wird übrigens durch zwei Würfel dargestellt. Die PEGI-Einstufung findet sich manchmal auch auf in Deutschland verkauften Videospielen. Auf der Website der Organisation kann aber auch direkt nach einem Spiel gesucht werden.

Mit dem Kind reden

Letztendlich werden verantwortungsbewusste Eltern nicht umhinkommen, mit ihrem Kind zu reden und damit zu wissen, was es spielt. Zum Reden gehört dann auch, das Kind über „Free-to-Play“ und Mikrotransaktionen aufzuklären und die Einsicht zu schärfen, dass man auch im Internetzeitalter nur ganz selten etwas geschenkt bekommt.

Ein Video vom Präventionsprojekt Glücksspiel Berlin, einem Projekt der pad gGmbH, im Auftrag der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Berlin.

Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht

Zum Umgang mit (Glücks-)Spielern

Die wichtigsten Bezugspersonen für Glücksspieler sind ihre Angehörigen. Aber auch Freunde und Arbeitskollegen sorgen sich und möchten dem Glücksspieler helfen. Gerade die Familienangehörigen erleben ein Wechselbad der Gefühle, wenn sie bemerken, dass der Ehe- oder Lebenspartner, das Kind, der Vater oder die Mutter, der Bruder oder die Schwester, der Opa oder Oma, der Neffe oder die Nichte sich verändern, weil er/sie über das Glücksspielen mehr und mehr die Kontrolle verliert. Wenn dann die ersten finanziellen Sorgen in der Familie aufgrund der verspielten Geldsummen auftreten, ist das Glücksspielproblem des Betroffenen auch in der Familie angekommen. Die Suchterkrankung des Einzelnen ist zur Suchterkrankung der ganzen Familie geworden.

Mein Mann hat gewettet. Es hat gedauert, bis ich mitgekriegt habe, dass mit ihm was nicht stimmt. Er hockte nur vor dem PC, wir unternahmen nichts mehr zusammen, er war schlecht drauf und dann fehlte Geld. Zuerst dachte ich, ich hätte mich geirrt. Der Knall kam, als ich durch Zufall mitbekam, dass er die Lebensversicherung gekündigt hatte. Wir stritten uns das erste Mal heftig, er versprach, aufzuhören. Ich glaubte ihm, wollte ihm helfen. Bei jedem Rückfall war ich traurig, aber verständnisvoll. Ich sah ja, wie schwer es ihm fiel.

Es gab Zeiten da war es extrem, dann Zeiten, da hatte er es im Griff. Dann dachte ich immer, jetzt wird alles gut. Zu Hause wettete er nicht mehr, da passte ich ja auf, trotzdem ging es weiter. Immer wieder haben wir geredet, ich habe geheult, ihn angefleht, mit Trennung gedroht, bin aber bei ihm geblieben. Ich hatte Angst, er könnte sich dann was antun. Dann fehlte wieder Geld, täglich flatterten neue Mahnungen der Gläubiger ins Haus. Ich habe das nicht mehr ausgehalten, die Lügen nicht, die leeren Versprechungen.

Margit

Krankenschwester, 42 Jahre

FairSpielt Glücksspiel gefrorene Hagebutten

Was können Sie als Angehörige tun?

  • Verlieren Sie nicht sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse aus den Augen.
  • Schützen Sie sich und die anderen Familienmitglieder, insbesondere wenn Kinder im Haushalt leben.
  • Sprechen Sie ihren spielenden Angehörigen auf das Glücksspielen an und treffen Sie klare Vereinbarungen. Sie können ihm Ihre Unterstützung beim Ausstieg aus der Sucht anbieten, aber machen Sie auch deutlich, dass bei Nichteinhaltung von gemeinsamen Vereinbarungen Sie Konsequenzen ziehen müssen und werden.
  • Reden Sie über ihre Probleme. Reden hilft. Das können Sie mit Freunden und Bekannten oder Mitarbeitern einer Beratungsstelle (Suchtberatungsstelle, Familienberatungsstelle) tun oder Sie suchen eine Selbsthilfegruppe auf. Haben Sie keine Angst davor, sich anderen Menschen anzuvertrauen und sich Unterstützung zu holen. Sie machen gerade eine schwierige Zeit durch und müssen die Probleme nicht alleine lösen.
  • Leihen Sie auf gar keinen Fall dem Glücksspieler (weiter) Geld oder übernehmen Schulden, auch wenn versprochen wird, dass es ja nur geborgt ist und wieder zurückfliest. Das Geld wird für weiteres Spielen und Verlieren ausgegeben und verlängert nur die Sucht des Glücksspielers und der Familie weiter. Seien Sie konsequent.

Denn Sucht ist ein Spielverderber.

Was sind Anzeichen einer Glücksspielsucht?

Das Glücksspiel ist bei den von Spielsucht Betroffenen zentraler Lebensinhalt. Es strukturiert und dominiert deren Alltag. Sie entwickeln eine ausgesprochen hohe Kreativität, um sich Geldquellen zu erschließen und um dann den Tagesablauf so zu gestalten, dass sie sich in der Spielsituation befinden. Der Rückzug aus dem sozialen Umfeld erfolgt in kleinen Schritten. Die Betroffenen sind nicht kritikfähig, weichen Konflikten aus und betäuben ihre unangenehmen Gefühle durch das riskieren von Geld im Spiel. Sie spielen heimlich und Erfolge werden nicht mehr im Beruf oder Hobby gesucht, sondern ausschließlich im Glücksspiel.

In der Glücksspielsucht …

… war der Übergang zur Abhängigkeit fließend
… bedeutete der Weg dahin häufig einen jahrelangen Prozess
… sind die anfänglichen Probleme für Außenstehende kaum mitzubekommen
… tritt alles andere völlig in den Hintergrund
… sind Stimmungsschwankungen für enge Bezugspersonen spürbar
… wird sich immer wieder Geld besorgt und geborgt
… wird oft heimlich gespielt

Wo liegt der Übergang zwischen normalen Spielverhalten und Spielsucht?

Georg (Therapeut): „Der Übergang von gerade noch harmlosen Spielverhalten hin zur Spielsucht ist fließend und für den Spieler oder die Spielerin selbst kaum mitzubekommen. Meist realisieren die Betroffenen erst wenn es zu spät ist, dass der kritische Punkt überschritten wurde. Da es zudem keine äußerlichen Veränderungen gibt, ist die Suchtentstehung auch für Angehörige oder Freunde zunächst kaum wahrnehmbar.“

Wie lange dauert es, bis ein Spieler oder eine Spielerin im Suchtstadium angekommen ist?

Paul (Ex-Spieler): „Bei mir war das ein jahrelanger Prozess mit Phasen des häufigen und intensiven Spielens. Nach ungefähr 4 Jahren bekam ich deswegen erstmals Stress mit meiner Frau. Ich habe dann aber nochmal 5 Jahre gebraucht, bis mir klar war, dass ich da ohne Hilfe nicht mehr rauskomme.“

Welche Hinweise gibt es auf das Vorhandensein einer Spielsucht?

Katrin (Angehörige): „Bei meinem Lebensgefährten habe ich zuerst gemerkt, dass er sich immer mehr zurückgezogen hat und viele gemeinsame Interessen für ihn an Bedeutung verloren haben. Dann hatte er ständig diese Stimmungsschwankungen. Ich wusste gar nicht wo das herkam. Dazu spürte ich, dass er mir irgendetwas verheimlicht. Später habe ich dann erfahren, wo er sich überall Geld geborgt hat. […] Als ich sein Auto vor der Spielhalle gesehen habe, obwohl er eigentlich bei seiner Mutter sein wollte, da wusste ich Bescheid.“

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Was ist eigentlich Co-Abhängigkeit?

Co-Abhängigkeit ist einer der populären Begriffe im Umgang mit Angehörigen von suchterkrankten Menschen. Es gibt dazu eine Vielzahl von Definitionen und Konzepten, eine empfehlenswerte Begriffsbestimmung brachten diese bisher aber nicht. Grundlegend muss jedoch anerkannt werden: Bezugspersonen üben einen unmittelbaren – oftmals unbewussten – Einfluss auf den Verlauf einer Suchterkrankung aus!

Das bedeutet aber in keinem Fall, dass Angehörige verantwortlich für die Suchterkrankung sind! Allerdings gibt es Angehörige, die infolge der Sucht einer Bezugsperson, selbst Probleme haben oder krank werden. Andererseits gibt es aber auch Situationen, in denen eine Suchterkrankung durch ein Leiden der Partnerin bzw. des Partners erst ausgelöst, verstärkt oder aufrechterhalten wird. Wichtig ist immer, dass Angehörige von suchtkranken Menschen damit anfangen, etwas für sich selbst zu tun! Von daher steht es außer Frage, dass Angehörigen die gleichen Zugangswege zu den notwendigen Hilfen offenstehen, wie dem Abhängigen selbst! Jede seriöse Therapieplanung berücksichtigt zudem das direkte soziale Umfeld der Betroffenen.

Obwohl der Begriff der Co-Abhängigkeit auch unter Fachleuten immer noch weitverbreitete Verwendung findet, gelten diesbezügliche Behandlungskonzepte inzwischen als überholt. Co-Abhängigkeit als eigenständige Krankheit gibt es nicht! Aktuelle Konzepte sehen den Hilfebedarf der Angehörigen, definieren sie allerdings nicht per se als krank. So gibt es Konzepte, die den Angehörigen Strategien an die Hand geben, um die eigene Lebensqualität zu verbessern und zusätzlich die Behandlungsbereitschaft der nahen Abhängigkeitserkrankten erhöhen. Vor diesem Hintergrund kann man sagen: Co-Abhängiges Verhalten ist als suchtförderndes Verhalten von nahen Bezugspersonen des suchtkranken Menschen zu verstehen!

Beispiele für suchtförderndes Verhalten von Angehörigen

Lars leidet unter der Krankheit seiner Partnerin, unternimmt allerdings nichts um die Situation zu verändern. Er beklagt sein Schicksal und stopft die finanziellen Löcher so gut es geht.

Cornelia ist mit ihrem schwachen Mann verheiratet. Sie will alles und vor allem die Beziehung kontrollieren.

Schirin ist selbst schwankend und unsicher. Sie sucht sich immer wieder Partner, die von ihrer Fürsorge abhängig sind.

Stefan bleibt bei seiner hilflosen Frau, damit er ein Ventil für seine aggressiven Impulse hat.

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